Keine Eintagsfliege

03/2016

Es kann und es wird Julia Klöckner kein Trost sein, dass sie ihren Heimatwahlkreis wie erwartet gewonnen hat. Der Fokus der CDU-Spitzenkandidatin lag auf dem Machtwechsel, auf dem Amt als Ministerpräsidentin. Sie hat den Kampf um die Staatskanzlei verloren, wen interessiert da noch ihr Abschneiden in Bad Kreuznach. Der „Verlierer" Michael Simon im Wahlkreis 17 wird da schon einen intensiveren und wahrscheinlich auch fröhlicheren Blick auf sein Erststimmen-Ergebnis werfen. Als beim Bürger weitgehend unbekannter „Zählkandidat" angetreten, von seiner Partei auf einen aussichtslosen Listenplatz geschoben, hat der Pfaffen-Schwaben heimer die Herausforderung angenommen, um die Ba¬sis zu mobilisieren. Mit einem ehrlichen, authentischen und nicht zuletzt bienenfleißigen Wahlkampf ist ihm das mit Bravour gelungen. Die SPD im Wahlkreis Bad Kreuznach ist gegen den mit viel Geld und Parteiprominenz geführten Klöckner-Wahlkampf nicht eingebrochen, liegt voll im Landestrend. Natürlich profitierte Michael Simon, der das 2011er-Ergebnis seines bekannteren Vorgängers Carsten Pörksen gegen Julia Klöckner sogar um 0,6 Prozentpunkte verbessert, vom „Malu-Effekt". Doch wer den SPD-Kandidaten im Wahlkampf erlebte, der spürte, dass seine unaufgeregte, optimistische und unverkrampfte Art bei den Wählern wirkte.
Aus dem Öffentlichen Anzeiger