Wird zuviel neu gebaut?

05/2016

Ein Problem: Die Deutschen bebauen zu viel und zu schnell brach liegende Flächen. „Die Schäden an Natur und Umwelt durch Versiegelung und Zerschneidung sind erheblich und zumeist unumkehrbar“, mahnt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), ein Beratergremium der Bundesregierung, in einem neuen Gutachten. Was für Schäden sind das? Einerseits sind Siedlungen, zu denen auch Parks und Gärten gehören, natürlich keine Natur und stehen auch der Landwirtschaft nicht zur Verfügung. Dazu kommt die Versiegelung, also das komplette Zubauen. In versiegelte Böden fließt kein Wasser ab. Das Risiko für Überschwemmungen steigt. „Versiegelte Böden können kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen“, heißt es beim Umweltbundesamt. Der fehlende Wasser- und Luftaustausch macht die Böden zunehmend unfruchtbar. Straßen und Siedlungen hindern Tiere und Pflanzensamen daran, sich auszubreiten. Dass die Deutschen trotz schrumpfender Bevölkerung so fleißig bauen, liegt laut Umweltexperten unter anderem am Wunsch nach großen Wohnungen sowie immer mehr Haushalten, in denen nur eine oder zwei Personen leben. In Gegenden, wo die Bevölkerung abnehme, werde wegen der niedrigen Bodenpreise oft trotzdem viel Fläche verbraucht. Auf dem Land kann man sich eben eher ein Einfamilienhaus leisten als im Ballungsraum. Die Experten raten, dass ab 2030 netto – also inklusive Rückbau – gar keine Fläche mehr versiegelt werden sollte. Weitere Vorschläge: Straßenausbau begrenzen und Senioren, die viel Platz für sich allein haben, zum Wohnungstausch oder Zusammenleben mit Familien animieren. Kommunen sollen Baugebiete nur ausweisen dürfen, wenn sie mangelnde „Innenentwicklungspotenziale“ nachweisen – also keine Brachen und Baulücken in Städten und Gemeinden haben, die bebaut werden könnten, schreibt der SRU weiter. Zudem solle es Obergrenzen für die Flächenausweisung geben.