Reizthema

06/2016

Landratswahl 1: Mag das CDU- und Internet-Empör-Getöse nach unserer Frage, ob der Trierer Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) bei der Landratswahl antreten könnte, auch noch so laut gewesen sein: Ganz ausgeschlossen schien dessen Kandidatur nicht, wenn man sich die persönliche Erklärung des Kreuznacher Ex-Oberbürgermeisters mal genauer betrachtet: „Die Aufgabe hätte mich gereizt ...“ Ludwig, den die für ihn völlig überraschende Wahlniederlage 2011 gegen Heike Kaster-Meurer (SPD) lange Zeit schmerzte, hätte zurückkehren und sich „rehabilitieren“ können im Kreis und in einer Stadt, in der er mit seiner Familie noch heute wohnt. Selbst SPD-Leute sagen: „Diesen CDU-Kandidaten hätte man nicht unterschätzen dürfen.“ Unterdessen winkt der nächste für die Urwahl Genannte ab: Michael Cyfka, VG-Bürgermeister Langenlonsheims. Nein, sagt der 39-jährige CDU-Mann und dreifache Vater, er sei bis 2021 gewählt und fühle sich in seinem Job „pudelwohl“. Wieder einer weniger. Langsam, aber sicher ist man schneller, wenn man die CDU-Kandidaten nennt, die noch nicht gefragt wurden. Warum bloß will keiner der Schwarzen den 8300-Euro-brutto-Posten haben? Es gab schon mal Zeiten, da hätten sie sich gekloppt um jeden Job. Ich erinnere mich an die Staudernheimer SPD 2014. Die stellte – so konsequent wie mutig – in ihrem Dorf, einer einst roten Hochburg, keinen Ortsbürgermeister-Kandidaten auf, weil niemand konnte oder wollte. Und so übte sie sich angesichts überschaubarer Erfolgsaussichten in Verzicht und bekam den Ersten Beigeordneten, unterstützt seither den neuen Ortsbürgermeister Hans Helmich (CDU) – und verhinderte zugleich einen oberflächlichen Schau-Wahlkampf. Klar: Demokratie lebt von den Alternativen, von der Konkurrenz. Aber warum herbeireden, wenn es ausnahmsweise mal im Konsens laufen kann? Ob es sich eine im Kreis über 2000 Mitglieder starke CDU allerdings leisten kann, keinen Landratskandidaten für die Urwahl aufzustellen, ist eine ganz andere Frage. Der Druck auf die Kreis-CDU steigt. Von Tag zu Tag.
(aus dem Öffentlichen Anzeiger)