Asylanten abgeschoben

08/2016

Wie sieht eine menschenwürdige Abschiebung aus? Um genau diese Frage drehte es sich am Dienstagabend am Küchentisch bei Familie Koblitz aus Windesheim. Eine menschenwürdige Ab-schiebung – ist das nicht sogar ein Widerspruch in sich? Menschen gegen ihren Willen an den Aus-gangspunkt ihrer Flucht zurückzubringen – das kann nicht im Einvernehmen passieren. Ist es aber nicht genauso menschenunwürdig, Flüchtlinge ohne Bleibeperspektive zu integrieren und ihnen damit Hoffnung auf ein dauerhaftes Leben in Deutschland zu machen? 19 Monate hat die jetzt abgeschobene Roma-Familie hier gelebt, hat in Windesheim Freundschaften geschlossen, sich in der Nachbarschaft eingebracht, die Kinder haben Schulen und Kindergarten besucht. Von Anfang an war klar, sie können nicht bleiben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge muss sich die Frage stellen lassen, ob nicht eine schnellere Abschiebung genau die Schockstarre und emotionale Leere vermieden hätte, die sich in Windesheim nun breitgemacht hat.
Aus der Allgemeinen Zeitung