Keineswegs repräsentativ

10/2016

Kürzlich wurde gleich an drei Stellen in Ihrer Zeitung über das „Schwarzbuch" des „Bundes der Steuerzahler" berichtet. Was man nicht erfährt: Der „Bund der Steuerzahler" ist entgegen dem von ihm selbst gewünschten Erscheinungsbild nicht etwa eine unabhängige Institution. Er hat, auch wenn man ihn in einem der Artikel „Steuerzahlerbund" nennt, nicht das Geringste mit dem „Bund" oder dem Bundesrechnungshof zu tun. Er ist vielmehr ein reiner Lobby-Verein, der als solcher auch in der Verbändeliste des Deutschen Bundestages aufgeführt wird. Der schon in der Namensbezeichnung „Bund der Steuerzahler" und gelegentlich auch verbal erhobene Anspruch, für alle Steuerzahler zu sprechen oder wenigstens eine für die Gesamtheit der bundesdeutschen Steuerpflichtigen repräsentative Mitgliederschaft aufzuweisen, geht vollkommen fehl. Die überwältigende Mehrheit der Mitglieder besteht aus Unternehmen, gewerblichen Mittelständlern, Freiberuflern und leitenden Angestellten. Und genau für deren Interessen setzt sich die juristisch als eingetragener Verein firmierende Organisation auch ein. Parteipolitisch findet man ihre ökonomische Ideologie am ehesten bei der FDP wieder. Ziel ist vor allem die Senkung von Steuern, vor allem bei Besserverdienenden; alles Öffentlich-rechtliche, das nicht niet- und nagelfest ist, soll privatisiert werden, denn diese Ausplünderung des Staates hilft der Klientel. Sozialstaatliche Aspekte finden hingegen keine Gnade.
Leserbrief aus der Allgemeinen Zeitung