Populistisch wie Trump?

02/2017

Wolfgang Schäuble ist ein Mann, der seine Worte bewusst wählt. Dann reichen dem Finanzminister, CDU-Strippenzieher und Reservekanzler oft kleine, sarkastische Hiebe, um den politischen Gegner oder auch mal die eigene Kanzlerin zu treiben. Bei Martin Schulz ist es anders. Für den SPD-Kanzlerkandidaten und Unions-Schreck in den aktuellen Umfragen greift Schäuble gleich zum großen Kaliber. Unter der Woche machte CDU-Vize Klöckner einen er-sten Aufschlag. Ein Mann wie Schulz, der in Brüssel einst Eurobonds, also eine europäische Schuldengemeinschaft auf Deutschlands Kosten, unterstützt habe, sei gefährlich und rede letztlich die AfD stark. Es folgte Schäubles Vertrauter vom rechten CDU-Flügel, Jens Spahn, der Schulz als gut gepämperten EU-Bürokraten hinstellte. Und nun also CDU-Großmeister Schäuble persönlich. Im „Spiegel“ unterstellt er Schulz, auf den Spuren des Populisten und neuen US-Präsidenten Donald Trump die Republik aufwiegeln zu wollen. Überrascht ist in der SPD niemand, dass die Union versucht, die Glaubwürdigkeit von Schulz zu erschüttern. Der frühe Zeitpunkt und die Wucht des Angriffs lässt die Genossen aber dann doch nicht kalt. „Die Schmutzkampagne geht wohl los“, glaubt SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Schäubles Attacke könnte für die Union freilich durchaus nach hinten losgehen, Schulz noch mehr Auftrieb bringen – wie es der frühere CSU-Stratege Michael Glos einst auf den Punkt brachte: „Drachen steigen nur gegen den Wind.“