Beck muss sich nicht entschuldigen

07/2017

Kurt Becks Nachruf in den sozialen Medien wird als „geschmacklos" bezeichnet? Warum eigentlich? Beileidsbekundungen folgen Ritualen, doch was man die letzten Tage lesen konnte, ist zum Teil pure Heuchelei. Im Gegensatz zu vielen Gutmenschen, die sich durch die Betroffenheitsmaschinerie in das Licht der Öffentlichkeit drängen, hat Kurt Beck als aktiver Politiker Helmut Kohl erlebt und weiß, wovon er spricht. Die Menschen, die seinerzeit vor dem Brandenburger Tor Willy Brandt zujubelten und Helmut Kohl auspfiffen, wussten, wem sie die deutsche Einheit zu verdanken hatten. Was bleibt vom „Einheitskanzler", dem die deutsche Einheit quasi in den Schoß fiel? Das Versprechen von den „blühenden Landschaften" hat sich nicht erfüllt. Was bleibt, sind geplünderte Sozialkassen, Altersarmut und der braune Mob im abgehängten Ostdeutschland. Was bleibt vom Machtpolitiker Helmut Kohl, der wie kaum ein anderer Karrieren beenden konnte? Interessanterweise fand ich keine Nachrufe von Wolfgang Schäuble oder Heiner Geißler in Ihrer Zeitung. Unvergessen wird die Rechtsbeugung im Zusammenhang mit der CDU-Spendenaffäre bleiben. „Kümmert Euch nid um de Bimbes." Der rheinland-pfälzische CDU-Generalsekretär und der JU-Landeschef sind vielleicht zu jung, um zu wissen, dass Helmut Kohl damals der Ehrenvorsitz der CDU aus sehr guten Gründen aberkannt wurde. Nein, Kurt Beck muss sich nicht entschuldigen.

Leserbrief aus der Zeitung