„Zurück bleiben fassungslose Verbraucher“

01/2018

Die Stellungnahme der Landjugend zu der angeblichen „Hetzkampagne“gegen das Herbizid Glyphosat ist von einseitigen Argumenten geprägt und lässt erkennen, dass sich die Verantwortlichen gar nicht mit tatsächlichen Problemen auseinandersetzen wollen beziehungsweise können. Bei den Diskussionen für oder gegen Glyphosat geht es um die Macht und nicht um die Wahrheit! Seit Jahren wird in Berlin und Brüssel darum gestritten, ob das Herbizid tatsächlich Krebs verursachen kann und deshalb äußerst gefährlich für den Menschen ist. Entscheidungen werden verschoben, Kampagnen geführt, Abstimmungen sabotiert, Studien diffamiert usw. Und plötzlich, mit einem Handstreich des Agrarministers, ist alles vorbei. Zurück bleiben fassungslose Verbraucher. Diesen ist sicher nicht zu vermitteln, dass die Neuzulassung von Glyphosat richtig war. Denn Glyphosat ist ein Gift und die Erfinderfirma Monsanto ist keine Firma, die das Produkt auf den Markt bringt, um der Menschheit und der Natur Gutes zu tun. Dem Konzern geht es in der Hauptsache darum, seine Aktionäre zufrieden zu stellen. Offensichtlich hat das Unternehmen deshalb auch versucht, auf Expertisen, auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und auf politische Entscheidungen, Einfluss zu nehmen. Diese Versuche belegen selbstverständlich noch keine eindeutige Schädlichkeit von Glyphosat für die Menschen. So ist das Gift primär ein Umweltproblem. Im Streit um die Krebsgefahr wird dies von allen Beteiligten zu schnell vergessen. Der Einsatz des Gifts in der konventionellen Landwirtschaft hat hauptsächlich dazu beigetragen, dass 80 Prozent unserer Insekten für immer von der Bildfläche der Natur verschwunden sind. Das Herbizid wird von den konventionellen Landwirten mehrmals im Jahr auf die Äcker gespritzt, mit der Folge, dass auch alle umliegenden Wildkräuter vernichtet werden. Damit entfällt aber die Lebensgrundlage für alle Insekten, die für die Bestäubung der Pflanzen und Bäume unersetzlich sind. Nach Einschätzung von Experten wird es deshalb innerhalb kürzester Zeit zu massiven Ernteeinbrüchen beim Obst etc. kommen. Paradox ist, dass die konventionelle Landwirtschaft mit dem Einsatz des Herbizides in großen Teilen hierzu beiträgt und damit ihren Auftrag (so die Landjugend), unsere Lebensgrundlagen sicherzustellen, ad absurdum führt.
Leserbrief aus der Lokalzeitung