Kein Startkapital für Dorfladen

01/2018

Jahrzehnte war sie da, die Bäckerei in der Ortsmitte Windesheims. Treffpunkt für Jung und Alt, ein heißer Kaffee im Winter, ein kühles Eis im Sommer und ja, Brot, Brötchen und Gebäck bekam man dort auch inklusive eines netten Pläuschchens. Seit einigen Monaten jedoch sind die Rollläden geschlossen (die AZ berichtete). Das stimmt einige Anwohner wehmütig. Schön war die Zeit, die Bäckerei lag zentral und überhaupt wäre es höchste Zeit, wieder etwas Licht in die dunkle Bäckerstube zu bringen. So lag vor einigen Wochen ein Umfrageschreiben in den Windesheimer Briefkästen, das eine Meinung zu einem Dorfladen aus den Bürgerinnen und Bürgern herauszukitzeln versuchte. Und genau hier scheiden sich die Geister. Den einen reicht der Netto-Markt mit der Bäckerei Friedrichs. Während der Discounter am Ortsrand von Windesheim für andere zu abgelegen liegt. Auch im Finanzausschuss gingen die Stimmen aus-einander, als 5 000 Euro Startkapital für das eventuelle Dorflädchen im Haushaltsentwurf auf-tauchten. Volker Stern (Pro Windesheim) kritisierte die Wettbewerbsverzerrung und Konkurrenz zum Netto und der Bäckerei Friedrichs. „Konkurrenz sehe ich da überhaupt nicht“, wandte Hartmut Kuntze (SPD) ein. Egon Eckes (CDU) empfand ein Streichen der Summe eher als negatives Zeichen für jene Leute, die sich um einen regionalen Dorfladen bemühen. „Es kamen immer wieder Fragen von der Bevölkerung“, berichteten auch Bürgermeisterin Claudia Kuntze und Joachim Frank (beide SPD). Und Hartmut Kuntze verdeutlichte noch einmal, dass es „nicht nur ein Laden, sondern sozialer Mittelpunkt“ sei. Wolfgang Dotzauer, der dem Gewerbegebiet fleißig Leben einzuhauchen versucht, würde ebenfalls Mieter für ein Bistro zwischen Orgel-Art-Museum und Discounter suchen, erinnerte Elke Stern (CDU) und stupste damit noch einmal das Thema Konkurrenz an. Letztendlich beschloss der Finanzausschuss, auf das weitere Geschehen in der Sache „Bäckerei Ortskern“ keinen Einfluss nehmen zu wollen. Das angedachte Startkapital wurde mit einem Ja, fünf Nein und zwei Enthaltungen aus dem Haushaltsentwurf gestrichen.
Aus der Allgemeinen Zeitung